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DiscorsoPubblicato l'8 ottobre 2026

Die OLMA, eine Schweiz im Kleinformat

Sankt Gallen, 08.10.2026 — Ansprache von Bundespräsident Guy Parmelin Vorsteher des Eidgenössischen Departements für Wirtschaft, Bildung und Forschung (WBF)
Eröffnungsfeier der 83. OLMA Messe

Es gilt das gesprochene Wort!

Frau Regierungspräsidentin
Herr Landammann
Frau Stadtpräsidentin
Herr Verwaltungsratspräsident
Frau CEO
Sehr geehrte Vertreterinnen und Vertreter der Behörden
Sehr geehrte Vertreterinnen und Vertreter der Landwirtschaft und der Wirtschaft
Liebe Ausstellerinnen und Aussteller
Meine Damen und Herren
Liebe OLMA-Fründe

Was für eine Woche! Nach einem turbulenten Wochenende mit vielen, nein, mit sehr vielen oder vielleicht noch besser gesagt mit extrem vielen SMS konnte ich mich am Sonntagabend wieder auf mein Amt als Bundespräsident und Wirtschaftsminister konzentrieren. Die indische Präsidentin und ihr Premierminister Modi haben mich zu einem Staatsbesuch eingeladen. Vielleicht haben Sie die Bilder in der Tagesschau oder anderen Medien gesehen – es war ein unglaubliches Erlebnis! Diese Gastfreundschaft, diese Farben, diese Gerüche. Das kann man mit fast nichts vergleichen. Aber nur fast. Gastfreundschaft, Farben und Gerüche gibt es auch hier an der OLMA. So sind wir diese Nacht direkt vom grossen Flughafen in Neu Dehli auf den nur etwas kleineren Flughafen von Altenrhein geflogen, um heute mit Ihnen zusammen die OLMA zu eröffnen. Gesagt – getan. Wir sind hier! Vielen Dank für diesen Empfang!

Für einen Waadtländer ist ein Besuch an der OLMA traditionell grundsätzlich mit drei Prüfungen verbunden. Erstens: den Röstigraben zu überwinden. Zweitens: eine St. Galler Bratwurst ohne Senf zu essen. Und drittens: sich mit einem kleinen «Söili» anzufreunden. Die erste Prüfung und damit die Überwindung des Röstigrabens konnte ich mit dem Umweg über Indien geschickt umgehen. Bei der zweiten Prüfung mit der OLMA-Wurst habe ich hier mit meinem zweiten Besuch inzwischen etwas Übung.

Und was die dritte Prüfung mit dem «Söili» betrifft, müssen Sie sich keine Sorgen machen: Wie Sie wissen, war ich Landwirt und kenne das «Söili» vom «Söischnörrli» bis zum «Ringelschwänzli». Und ich war auch Winzer: Ein Waadtländer Winzer versteht sich bekanntlich bestens mit allem, was einem Korkenzieher ähnelt. Und - ich habe im fernen Indien gelesen, dass das «Söili» Vivienne einen französischen Vornamen hat und damit bestens auf mich vorbereitet wurde. Sie merken es: Ich freue mich sehr, erneut bei Ihnen zu sein und die OLMA eröffnen zu dürfen. Diese Messe ist wahrlich eine Schweizer Institution. Seit ihrer ersten Austragung im Jahr 1943 steht die Landwirtschaft im Zentrum der Veranstaltung. Heute sind Landwirtschaft und Ernährung hier untrennbar miteinander verbunden. Seit 1946 ist die OLMA vom Bundesrat als Schweizer Messe anerkannt, und seit Jahrzehnten nimmt ein Mitglied der Landesregierung an ihrer Eröffnung teil.

Glauben Sie mir: Die Anwesenheit eines Bundesrats, selbst wenn er kurz vor dem Abgang steht, ist häufig ein Gütesiegel! Im Ernst: Dieses Protokoll erinnert uns an eine einfache Tatsache: Die Landwirtschaft ist für unser Land von grosser Bedeutung. Die diesjährige OLMA steht unter einem amerikanischen, beinahe hollywoodreifen Motto: «OLMA – und Action!» Man könnte sich fast im Weissen Haus wähnen… Doch das Motto passt. Hier gibt es zwar keinen riesigen Ballsaal, dafür wird angefasst, degustiert, entdeckt und diskutiert. Mit über 330’000 Besucherinnen und Besuchern und rund 640 Ausstellenden bei den letzten Austragungen ist die OLMA ein herausragender Begegnungsort zwischen Stadt und Land, Produzenten und Konsumenten, Tradition und Innovation.Eines muss ich allerdings einräumen: Für viele Bauernfamilien gab es dieses Jahr bereits mehr als genug «Action».

Der Sommer 2026 war geprägt von aussergewöhnlicher Trockenheit und grosser Hitze.Das bedeutet weniger grüne Wiesen. Mais, der schlecht wächst. Tiere, die unter der Hitze leiden. Wasser, das zur ständigen Sorge wird. Und damit stellen sich ganz konkrete Fragen: Haben wir genügend Futter für den Winter? Wie können wir die zusätzlichen Kosten verkraften? Was bleibt am Ende von unserem Einkommen? Landwirtinnen und Landwirte wissen allerdings, dass sie einen Beruf ausüben, der mitten in der Natur und im Einklang mit ihr steht. Die Natur gibt den Rhythmus ihrer Arbeit vor. Man kann sehr viel Technologie einsetzen und die Abläufe optimieren. Letztlich sind es aber auch die Launen der Natur, die über Erträge und damit über Einkommen entscheiden. Das war schon bei den ersten Bauern in Mesopotamien so – und im Grunde ist es bis heute so geblieben.

Wie dem auch sei: Der Bundesrat ist sich der Ernsthaftigkeit der Lage sehr bewusst. Zahlreiche Betriebe sind in Schwierigkeiten geraten. Hinter jedem Ertragsausfall steht ein Betrieb. Eine Familie. Manchmal die Arbeit mehrerer Generationen. Auch wenn ich für heute Regen bestellt habe - der Bundesrat kann den Regen selbstverständlich nicht befehlen. Aber der Staat kann dort handeln, wo er über Möglichkeiten verfügt. Er kann die Branche unterstützen, indem er die Zukunft vorbereitet.Gemeinsam mit den Kantonen und der Branche haben wir in den vergangenen schwierigen Monaten kurzfristige Massnahmen ergriffen. So haben wir beispielsweise Mittel zur Überbrückung von Liquiditätsengpässen bereitgestellt und die Einfuhr von Heu sowie einiger weiterer Futtermittel erleichtert.

Dieser Sommer hat aber eines deutlich gezeigt: Wir müssen unsere Böden widerstandsfähiger gegen Trockenheit, Hitze und Wasserknappheit machen – durch Forschung und Innovation, durch einen intelligenten Umgang mit Wasser und durch gezielte Investitionen. Genau diese Ziele verfolgt die Agrarpolitik ab 2030, die sich derzeit in der Vernehmlassung befindet: mehr unternehmerischer Handlungsspielraum und höhere Wertschöpfung, ein effizienterer Einsatz der Ressourcen und weniger administrativer Aufwand. Wer Verantwortung trägt für seinen Boden, seine Tiere, seine Mitarbeitenden und seinen Betrieb, sollte mehr Zeit für seinen eigentlichen Beruf haben – und weniger für immer wiederkehrende administrative Arbeiten.

Genau hier spielt auch die OLMA eine zentrale Rolle. Denn ihr gelingt etwas, das in der öffentlichen Debatte bisweilen schwierig geworden ist: Sie bringt Menschen, die sich nicht kennen, ins Gespräch. Miteinander ist besser als übereinander. Hier an der OLMA begegnet die Konsumentin dem Produzenten. Hier begegnet die Stadt dem Land. Hier treffen Erwartungen auf die Realität. Wir erwarten viel von unserer Landwirtschaft: hochwertige Lebensmittel, Tierwohl, gepflegte Landschaften, Biodiversität und einen Beitrag zu unserer Ernährungssicherheit. Diese Erwartungen sind berechtigt. Aber sie haben ihren Preis. Und sie müssen mit der wirtschaftlichen Realität der Betriebe vereinbar bleiben: Kosten müssen gedeckt, Investitionen finanziert und am Ende auch ein Einkommen erwirtschaftet werden.

Wir alle erwarten viel von unserer Landwirtschaft. Die Frage ist deshalb einfach:– was sind wir bereit zu tun, damit jene, die sie tragen, auch von ihr leben können? Genau deshalb ist der Dialog unverzichtbar. Romantische Verklärungen oder Belehrungen, wie Landwirtinnen und Landwirte ihren Beruf ausüben müssen, bringen uns nicht weiter. Was es braucht, ist ein offenes Gespräch zwischen jenen, die produzieren, verarbeiten, verkaufen, konsumieren und die Regeln festlegen. Der diesjährige Gastkanton Schwyz präsentiert sich unter dem Motto: «Die OLMA ruft, Schwyz liefert.» Als Waadtländer gefällt mir dieser Satz. Denn auch im Kanton Waadt liefern wir – allerdings erst, nachdem wir die Lieferbedingungen bei drei Dezi ausführlich besprochen haben. Spass beiseite: «Schwyz liefert» könnte fast zum Leitsatz der gesamten Schweizer Landwirtschaft werden. Denn die Landwirtschaft liefert uns Lebensmittel. Sie pflegt unsere Landschaften. Und sie sichert etwas, das uns in den letzten Jahren wieder besonders wichtig geworden ist: unsere Versorgung.

Das verdient unsere Anerkennung. Doch Anerkennung allein bezahlt keine Rechnungen. Deshalb braucht es Rahmenbedingungen, die den Bäuerinnen und Bauern eine wirtschaftliche Zukunft ermöglichen: verlässliche Regeln, weniger unnötige Bürokratie und genügend Freiheit, unternehmerisch tätig zu sein. Diese Freiheit verkörpert auch die OLMA. Und es gelingt ihr, ernsthaft zu sein, ohne je langweilig zu werden. Hier spricht man über Ernährungssicherheit – und lässt gleichzeitig Schweine um die Wette laufen. Hier werden Spitzentechnologien ebenso präsentiert wie jahrhundertealte Traditionen. Hier kommen Fachleute, Familien, Politikerinnen und Politiker sowie Tiere unter einem Dach zusammen. Und das funktioniert offenbar sehr gut. Die OLMA ist damit fast eine Schweiz im Kleinformat – nur leider, mit Ausnahme des Bundespräsidenten heute, fast ohne Romandie und Tessin…

Wie auch immer: Die OLMA erinnert uns daran, dass der hier gelebte Dialog eine Voraussetzung ist für Vertrauen. Gegenseitiges Vertrauen. Gehen wir aufeinander zu! Alt – jung, Stadt – Land, St. Galler – Tessiner – und natürlich Waadtländer. Den Bäuerinnen und Bauern wünsche ich nach diesem schwierigen Sommer einen besseren Herbst, einen milden Winter und im kommenden Jahr gute Wetterbedingungen. Den Ausstellerinnen und Ausstellern wünsche ich viele interessante Begegnungen und vor allem gute Geschäfte. Dem Kanton Schwyz wünsche ich einen glänzenden Auftritt in St. Gallen. Und Ihnen allen wünsche ich elf Tage voller Entdeckungen und Freude – und, ganz im Sinne des diesjährigen Mottos, jede Menge Action. Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit und freue mich nun darauf, den kleinen Korkenzieher namens Vivienne kennenzulernen…